Gemeinsame Stellungnahme des Schulleitungsverbandes Niedersachsen e.V. (SLVN) und KGS.netz, dem Netzwerk der kooperativen Gesamtschulen in Niedersachsen

zum Anhörungsentwurf zur Änderung des Grundsatzerlasses
„Die Arbeit in den Schuljahrgängen 5 bis 10 der Kooperativen Gesamtschule (KGS)“

Der Schulleitungsverband Niedersachsen (SLVN) und das KGS.netz begrüßen den vorliegenden Entwurf zur Änderung des Grundsatzerlasses für die Kooperative Gesamtschule.
Aus unserer Sicht stellt der Entwurf einen wichtigen Schritt dar, die Erlasse für die unterschiedlichen Formen der Gesamtschule stärker zu harmonisieren, ohne dabei die Eigenständigkeit der Kooperativen Gesamtschule aufzugeben.

Die Änderungen erweitern die pädagogischen Handlungsspielräume der Schulen, ohne neue Verpflichtungen zu schaffen. Dies entspricht dem Grundsatz, schulische Entscheidungen möglichst dort zu treffen, wo die pädagogische Verantwortung liegt – in den Schulen selbst.


Besonders begrüßen wir die neue Möglichkeit, auf Beschluss des Schulvorstandes im begrenzten Umfang Stunden aus Pflichtfächern in andere Pflichtfächer oder in den Wahlpflichtunterricht umzuwidmen. Diese Flexibilisierung eröffnet den Schulen die Möglichkeit, ihre Stundentafeln besser an die jeweiligen pädagogischen Schwerpunkte, die Bedürfnisse ihrer Schülerschaft und die Bedingungen vor Ort anzupassen.


Ebenfalls begrüßt wird die stärkere Angleichung des KGS-Erlasses an den Grundsatzerlass der Integrierten Gesamtschule. Die pädagogische Arbeit an beiden Gesamtschulformen ist in vielen Bereichen vergleichbar. Unterschiedliche Regelungen sind deshalb dort,
wo keine schulformspezifischen Gründe für sie bestehen, nur schwer nachvollziehbar.
Die vorgesehene Harmonisierung schafft mehr Transparenz und erleichtert die Arbeit der
Schulen.


Sehr positiv bewerten wir die Änderung der Regelung zur zweiten Fremdsprache. Dass
Französisch künftig an jedem Standort eingerichtet werden soll und nicht mehr zwingend
eingerichtet werden muss, ist eine sachgerechte und notwendige Anpassung. An einzelnen Standorten ist ein verbindliches Französischangebot beispielsweise aufgrund fehlender Fachlehrkräfte kaum verlässlich umzusetzen. Hinzu kommen regionale Unterschiedein den Wünschen der Eltern sowie der Schüler*innen hinsichtlich des Fremdsprachenangebots. Die neue Soll-Regelung ermöglicht es den Schulen, auf diese Gegebenheiten angemessen zu reagieren, ohne den grundsätzlichen Stellenwert der zweiten Fremdspracheinfrage zu stellen.


Dass die zusätzliche Wechselmöglichkeit aus der zweiten Fremdsprache für Schüler*innen des Gymnasialzweigs nicht vorgesehen ist, ist nachvollziehbar, da hier die entsprechenden gymnasialen Vorgaben zu berücksichtigen sind.


Aus Fremdsprachensicht ist es ebenfalls positiv zu bewerten, dass die Sprechprüfung
nun eine schriftliche Arbeit ersetzt und nicht aus dem Pool der alternativen Leistungskontrollen abgezogen werden muss.


Der SLVN und das KGS.netz begrüßen darüber hinaus, dass Theater/Darstellendes Spiel
künftig unmittelbar in den Wahlpflichtunterricht aufgenommen werden kann. Die bisher
erforderliche gesonderte Genehmigung entfällt. Dies stärkt die kulturelle Bildung, reduziert Verwaltungsaufwand und erleichtert den Schulen die Entwicklung attraktiver und
standortbezogener Wahlpflichtangebote.


Ebenso positiv bewerten wir die Modernisierung der Regelungen zu schriftlichen und alternativen Lernkontrollen. Die Anpassung der Zahl schriftlicher Lernkontrollen und insbesondere die erweiterten Möglichkeiten, alternative Lernkontrollen einzusetzen, tragen
zeitgemäßen Unterrichtsformen Rechnung. Projektorientiertes Arbeiten, kompetenzorientierte Leistungsnachweise sowie fachpraktische und präsentationsbezogene Formate
gewinnen zunehmend an Bedeutung. Der Erlass schafft hierfür zusätzliche pädagogische
Gestaltungsmöglichkeiten.


Wir stellen positiv fest, dass die Kooperative Gesamtschule dabei in ihrer Grundstruktur
erhalten bleibt. Die KGS ist eine eigenständige und erfolgreiche Ausprägung der Gesamtschule, die sich an vielen Standorten in Niedersachsen bewährt hat. Gerade in den höheren Jahrgängen ermöglicht ihre schulzweigbezogene Struktur eine klare Profilierung und
eröffnet organisatorische und pädagogische Möglichkeiten, die sich von denen anderer
Schulformen unterscheiden.


Die stärkere Harmonisierung der Erlasse sollte daher nicht als Aufhebung dieser Unterschiede verstanden werden. Vielmehr sollte das Ziel darin bestehen, den Gesamtschulen
vergleichbare pädagogische Handlungsspielräume zu eröffnen und gleichzeitig unterschiedliche Organisationsformen zu ermöglichen.


Aus Sicht des Schulleitungsverbandes und des KGS.netz sollte dieser Weg perspektivisch
konsequent weitergedacht werden. Langfristig erscheint ein gemeinsamer Grundsatzerlass für die Gesamtschulen in Niedersachsen sinnvoll. Innerhalb eines solchen Erlasses
könnten unterschiedliche Organisationsformen ausdrücklich vorgesehen werden: von stärker schulzweigbezogenen Modellen bis hin zu vollständig jahrgangsbezogenen und integrierten Organisationsformen.

Damit würde die Gesamtschule als gemeinsame Schulform stärker in den Mittelpunkt gestellt. Die konkrete Ausgestaltung könnte unter Berücksichtigung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, der jeweiligen Standortbedingungen und des pädagogischen Konzepts
vor Ort erfolgen. Der vorliegende Entwurf ist aus Sicht des SLVN und des KGS.netz ein
Schritt in diese Richtung.


Mehr grundsätzlichen Mut zu mehr Entscheidungen vor Ort würde die komplette Abschaffung der Mindestzahl von schriftlichen Arbeiten, die ausschließliche Orientierung an
Kompetenzen anstatt an zu erfüllenden Stundenzahlen über die Jahrgänge 5-10 und die
Möglichkeit des Führens einer Eingangsstufe ohne Zweigzuweisung in den unteren Jahrgängen zeigen. Diese Änderungen hätten auch Konsequenzen auf andere Erlasse, sollten
perspektivisch aber mitgedacht werden, um den Schüler*innen an Kooperativen Gesamtschulen und darüber hinaus bestmögliches und modernes Lernen zu ermöglichen.


Der Schulleitungsverband Niedersachsen und das KGS.netz unterstützen den vorliegenden Änderungsentwurf ausdrücklich. Er stärkt die pädagogische Eigenverantwortung der
Schulen, harmonisiert Regelungen zwischen den Gesamtschulformen und erweitert die
Gestaltungsspielräume der Kooperativen Gesamtschulen, ohne deren bewährtes Profil
aufzugeben. Aus Sicht des Verbandes ist der Entwurf daher ein wichtiger Schritt auf dem
Weg zu einer modernen, flexiblen und zukunftsfähigen Gesamtschullandschaft in Niedersachsen.

Für den SLVN
Matthias Aschern
Gregor Ceylan
Jan Pössel
Katja Tank

für das KGS.netz
Malihe Papastefanou
Gregor Ceylan